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DGS-Kongress 2005
in Frankfurt/Oder

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Stil als Zeichen.
Funktionen - Brüche - Inszenierungen


"Stil" gilt heute als problematische Kategorie. Die Pluralität der Lebensformen lässt keine eindeutigen Stile mehr zu, Computerisierung und technische Vernetzung führen zu weltweiter Vereinheitlichung, die Politik der Globalisierung löst soziale und historische Identitäten auf, Theorie und Ästhetik der Postmoderne feiern den Synkretismus, die "Vermischung", das Ende aller Stile.
Im Gegenzug dazu erleben wir eine extreme Individualisierung, die auf Inszenierung und Selbstdarstellung setzt, eine theatrale Stilisierung des Alltags, ein offensives Bedürfnis nach Unterscheidung und Besonderung sowie eine extensive Ausdifferenzierung persönlicher, gruppenspezifischer, ethischer und subkultureller Distinktionsmerkmale bis hin zur Entwicklung spezieller Politik-, Unternehmens-, Körper- und Ethikstile.
Das Spannungsfeld dieser Tendenzen macht heute die Problematik und Aktualität des Stilbegriffs aus. Neben seiner klassischen Verwendung in Sprach- und Literaturwissenschaft sowie in Architektur und Kunst zeichnet sich eine Rehabilitierung und Ausweitung seiner Verwendung ab. Die Rede ist von Diskursstilen, von Wissenschafts- und Laborstilen; darüber hinaus etablieren sich Alternativstile, Stile des "Nichtstils", des "Queerings" und der Identitätslosigkeit.
Allerdings ist Stil ein schwer auszulotendes Phänomen. Es oszilliert zwischen dem Allgemeinen und Besonderen, es gestattet ebenso Separation wie sich als Teil einer Ordnung zu konstituieren. Damit ist das Problem seiner theoretischen Bestimmung aufgeworfen, seiner Explikation als komplexes Zeichen, als semiotischer Grenzbegriff. Darüber hinaus stellt sich die Frage seiner Verortung und Abgrenzung in einem ganzen System verwandter Begriffe wie Typus, Schema, Muster, Stereotyp, Klischee, Manier etc. Gefragt ist also nach einem semiotischen Zugriff, einer Diskussion von Stil als Zeichen in bezug auf Freiheits- und Lebensstile, auf Gender, Cross-Culture und Gegenkulturen, auf Handlungsstile, Stildifferenzen und Stilentwicklungen sowie auf Pluralismus, Entstilisierungen und Stilbrüchen.
Die im Anhang vorgestellten Sektionen versuchen der thematischen Vielfalt des Themenspektrums gerecht zu werden; es handelt sich primär um interdisziplinäre oder intermediale Arbeiten aus allen wissenschaftlichen Sparten und Disziplinen von der Architektur und Bildwissenschaft über Biologie und Informatik bis zur Geschichte und Religionswissenschaft.

Weitere Informationen auch unter.
http://www.semiotik.org